Schlafen und Wachen – Wie Babys schlafen

von Eva Zeiko

Babys und Kleinkinder schlafen anders als Erwachsene. Oftmals brauchen sie eine verständnisvolle Begleitung beim Einschlafen und kleine Hilfen, die das Ein- (und später auch das Durch-)schlafen erleichtern. Wie das Kind seine wache Zeit verbringt, hat Auswirkungen auf das Schlafverhalten. Wo soll das Baby oder Kleinkind schlafen? Wieviel Unterstützung geben wir unserem Kind beim Einschlafen? Was tun, wenn sich aufgrund von Schlafdefizit Erschöpfung breit macht? Diese und ähnliche Fragen beschäftigen die Eltern von Babys und Kleinkindern. 

Schlafen und Wachen – Wie Babys schlafen
Ein Kind, das wenig schläft, unruhig schläft oder schwer einschläft, kann Eltern sehr
belasten. Bekommen die Eltern dadurch selbst zu wenig Schlaf, und das vielleicht
über einen längeren Zeitraum, so wirkt sich das oft belastend auf die Familiensituation
aus.

Schlafphasen, Schlafrhythmus
In den ersten drei Monaten essen und schlafen die Babys in ähnlicher Weise:
Kleine, häufige Mahlzeiten mit kurzen, häufigen Schläfchen auf 24 Stunden verteilt.
Viele Babys brauchen einige Tage bis Wochen, um sich unserem Tag-Nacht-
Rhythmus beim Schlafen anzupassen. In dieser Zeit benötigen die Eltern viel Geduld
mit dem munteren Baby in der Nacht als auch Erfindungsgeist und Unterstützung,
um selber genug Schlaf zu bekommen. Neugeborene schlafen im
Durchschnitt 16 Stunden innerhalb von 24 Stunden. Es gibt aber Babys, die nur
10 Stunden schlafen, und andere, die 18 Stunden Schlaf brauchen.
Mit zunehmendem Alter werden die Schlafzyklen länger und die Babys schlafen
weniger häufig, dafür aber länger. Der Schlaf von Babys und Kleinkindern ändert
sich immer wieder. Babys die schon durch geschlafen haben, wachen plötzlich auf
und müssen beruhigt werden. In der Phase des „Fremdelns“ mit zirka acht Monaten
wachen viele Kinder wieder häufiger auf und brauchen die Rückversicherung,
dass die Eltern da sind. Eltern haben auch unruhigere Nächte oder ein schwieriges
Einschlafen beobachtet, wenn das Kind vor einem neuen Entwicklungsschritt steht.
Natürlich können auch Krankheit und Schmerzen den Schlaf beeinträchtigen.
Grundsätzlich schlafen Babys anders als Erwachsene. Die Schlafphasen sind anders,
der Schlafzyklus ist etwa halb so lang wie bei Erwachsenen und dauert zirka
50 Minuten. In den ersten 20 Minuten befindet sich das Baby in einem leichten
Schlaf, im sogenannten REM-Schlaf, in dem es träumt. Anschließend sinkt es in
einen Übergangsschlaf und erst dann in den Tiefschlaf. Bei einem Aufwachreiz in
den ersten 20 bis 30 Minuten wacht das Kind leicht wieder auf.

Schlafen und Wachen
Jedenfalls gehören Tag und Nacht zusammen: Ein Baby, das am Tag viel schläft, wird
in der Nacht weniger schlafen können. Ein turbulenter Tag kann die Nachtruhe beeinträchtigen.
Für Babys und Kleinkinder sind viele Eindrücke neu und aufregend,
die wir Erwachsenen kaum mehr wahrnehmen.
Es gibt für das individuelle Schlafen eines Kindes keine Norm. Manche Babys
und Kleinkinder wachen häufiger auf als andere, was für die Kinder praktisch nie
ein Problem ist. Mühsam kann es für Eltern sein, wenn sie zu wenig Schlaf bekommen.
Der Übergang vom Wachen zum Schlafen ist – wie auch für manche
Erwachsene – für viele Kinder schwierig, weil sie „loslassen“ und sich vertrauensvoll
dem Schlaf überlassen müssen. Manche brauchen zum Einschlafen viel Unterstützung
und Begleitung, andere weniger. Wenn man den Babys die Zeit gibt, die
sie benötigen, werden sie ganz von alleine zu dem richtigen Schlafrhythmus finden
– weil sie die Möglichkeit bekommen haben, darin selbst zu reifen. Babys träumen
viel und genau so wie bei Erwachsenen, kann ein Traum als schön empfunden
werden oder auch Angst machen.

Durchschlafen
In der Fachwelt wird das Durchschlafen definiert als Schlaf von Mitternacht bis 5
Uhr oder als Schlaf, der sechs Stunden am Stück stattfindet. Die Erwartung, dass
ein Baby oder Kleinkind von 20 Uhr bis 7 Uhr ohne aufzuwachen durchschläft,
können Kinder in diesem Alter nicht erfüllen. Evolutionsbiologisch sichert das Aufwachen
der Babys das Überleben: Die Milchproduktion der Mutter wird durch
häufiges Saugen angeregt und eine verstopfte Nase oder vermeintliche Gefahren
wecken das Baby ebenso.
Leider hat in unserer Gesellschaft das Durchschlafen eines Babys einen hohen
Stellenwert („Schläft es brav?“, „Schläft es schon durch?“). Ich rate Eltern solche
Fragen als nett gemeintes Interesse zu sehen und das Gesprächsthema auf Inhalte zu
lenken, die sie gerne erzählen. (Z.B. „Er braucht mich schon noch öfter in der Nacht,
aber stell dir vor, seit ein paar Tagen plaudert er…) Das Durchschlafen ist ein individueller
Reifungsprozess, der unterschiedlich lange (auch Jahre) dauern kann.

Elternschlaf
Eltern, die erschöpft sind, weil ihr Kind wenig oder häufig unterbrochen schläft,
können auch abends mit dem Kind schlafen gehen oder untertags mit dem Kind
ein Schläfchen machen. Eine Viertelstunde zu schlafen kann Wunder wirken!
Manche Eltern teilen sich eine Zeitlang die Nachtzuständigkeit, sodass jeder auch
ein paar Stunden Schlaf am Stück bekommt. Es können auch liebevolle Menschen
aus dem Umfeld gebeten werden, unter Tag zwei Stunden beim Kind zu sein,
damit die Mutter schlafen kann. Schwierige Schlafphasen sind meist von kurzer
Dauer und tendenziell schlafen Kinder immer besser, je älter sie werden!

UNSERE AUFGABE ALS ELTERN
Einschlaf-Rituale
Um das Einschlafen zu erleichtern haben viele Kulturen Einschlafrituale entwickelt.
Es hat sich bewährt, den Ablauf am Abend immer gleich zu gestalten, die Reize
zu minimieren und eine ruhige Atmosphäre entstehen zu lassen. Sie können dem
Kind die Schlafenszeit schon vorher ankündigen und das Schlafengehen positiv
beschreiben. Dem Kind die Erlebnisse des Tages zu erzählen, mit dem Kleinkind
ein kleines Buch anschauen (durchaus eine Zeitlang das gleiche), ein Schlaflied
singen… All das kann zu diesem Ritual gehören. Kinder lieben Rituale und bis in die
Volksschulzeit und darüber hinaus genießen sie das Zusammensein beim Vorlesen
von Büchern und das Singen von Schlafliedern.
Etwa ab dem neunten Lebensmonat kann das Baby selbst in den Schlaf finden,
wenn das Einschlafritual so gestaltet ist, dass das Einschlafen getrennt vom Stillen
oder Flasche Trinken stattfindet. Geben Sie als Eltern nur so viel Unterstützung, wie
notwendig ist, und trauen Sie Ihrem Kind zu, dass es lernt, selbständig einzuschlafen.

Der Zeitpunkt zum Schlafen
Als Zeitpunkt zum Schlafengehen wählen Sie am besten eine Zeit, zu der Ihr Kind
müde ist. Anzeichen können folgende sein: Das Kind wird langsamer im Spiel, hat
Spielunlust, rastet sich häufiger aus, es reibt sich die Augen oder gähnt. Wichtig
dabei ist: Das Kind soll nicht übermüdet sein. Übermüdete Kinder schlafen oftmals
schwer ein.
Viele Eltern legen sich zu Ihrem Kind, um das Einschlafen zu erleichtern. Anderen
ist es wichtig, dass Ihr Kind schon bald lernt, alleine einzuschlafen. Jede Familie muss
entscheiden, wie es für sie am besten ist. Einschlafgewohnheiten können auch
immer wieder verändert und dem Entwicklungsstand des Kindes angepasst
werden. Wacht ein Baby oder Kleinkind auf, braucht es vielleicht Milch, vielleicht
aber auch nur die Gewissheit, dass Mama und Papa da sind. Manchmal brauchen
kleine Kinder Trost und körperliche Nähe, um wieder einschlafen zu können.

Schlafplatz
Der Schlafplatz unter Tag kann für ein Baby der Stubenwagen sein. In den ersten
Monaten stören die meisten Babys Alltagsgeräusche beim Schlafen nicht oder sind
sogar hilfreich. Kinder können auch zu jeder Jahreszeit im Kinderwagen auf der Terrasse
oder im Garten schlafen (entsprechend abgeschattet, zugedeckt und angezogen).
Viele Kinder lieben das Schlafen in der frischen Luft und wenn der Kinderwagen
ein gewohnter Schlafort ist, hat man bei Ausflügen das „Bett“ immer dabei.
In der Nacht können Babys und Kleinkinder bei den Eltern schlafen, wenn diese
das mögen. Die Kinder lieben es meistens. In vielen Kulturen ist das gemeinsame
Schlafen von Eltern und Kindern die Norm. Bei gestillten Babys ist es auch praktisch,
wenn das Baby nahe bei der Mutter schläft. Beide werden zum Stillen kaum
munter und können rasch wieder einschlafen. Der Schlafrhythmus der Mutter und
des Kindes synchronisiert sich, sodass Mütter das Aufwachen als weniger belastend
empfinden. In vielen Familien hat sich das Gitterbett bewährt, das mit einer
offenen Seite direkt ans Elternbett gestellt wird. Für die Sexualität der Eltern kann
dann ein anderer Patz als das Familienbett gewählt werden.

Die beste Schlafplatzlösung für die individuelle Familie ist die, in der alle ausreichend
Schlaf bekommen! Der Schlafplatz soll ein geschützter Platz sein. Er soll gemütlich
sein. Babys kann man eine Umgrenzung (z.B. Stillkissen) anbieten und ein
Tüchlein, eine Windel oder ein T-Shirt, das Mama getragen hat, zum Kuscheln. Ein
Baumwolltuch in der Größe von etwa 25×25 cm kann man schon kleinen Babys
anbieten. Sie spielen auch gerne damit. Größere Stoffe können Sie Ihrem Kind geben,
wenn es groß genug ist, es vom Gesicht wieder weg zu ziehen, wenn es dort
landet. Das klappt ab zirka einem halben Lebensjahr. Der Raum in dem das Kind
schläft soll in der Heizperiode kühl sein (ca. 18 °C) und dunkel. Als Bekleidung hat
sich der Schlafsack bewährt, da ihn das Kind nicht abstrampeln kann. Babys sollen
zum Schlafen auf den Rücken gelegt werden Kinder, die sich in dieser Lage unwohl

fühlen, können in die Lage gebracht werden, in der sie am besten einschlafen.
Dauerhafte, belastende Schlafschwierigkeiten eines Babys oder Kleinkindes
können ihre Ursache auch in nicht verarbeiteten Erlebnissen des Babys oder auch
der Eltern haben. Scheuen Sie nicht, Unterstützung in Anspruch zu nehmen,
wenn Sie Ihre Familiensituation belastet!

© Eva ZEIKO . Psychotherapie & Beratung . 0699/12051966 . eva.zeiko@gmx.at . A-4906 Eberschwang
Babycare Eltern- Säuglings- & Kleinkindpsychotherapie.

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